16 Jan 2017

Cloud Computing im Mittelstand – Daten vom Winde verweht?

Lange hat der deutsche Mittelstand mit Cloud Computing gehadert. Doch so langsam bröckelt die Phalanx des Wiederstands auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Tatsächlich erkennen immer mehr Entscheider, dass der Einsatz von Cloud-Computing eine Reihe von großen Einsparungen ermöglichen kann. Und, viele Ansprüche von Kunden als auch Mitarbeitern (Stichwort Arbeit 4.0) sind ohne Services aus der Cloud nicht denkbar. Die Datensicherheit bleibt jedoch nach wie vor ein Dauerthema – und das ist auch gut so.

Daten in der Wolke – vom Winde verweht?

Auf Deutsch bedeutet der Begriff in etwa „Datenverarbeitung in der Wolke“. Gemeint ist damit eine nicht-lokale Verarbeitung von Daten – Hardware und Software sind nicht notwendigerweise lokal im Unternehmen vorhanden (On Premise oder Private Cloud genannt), sondern werden von Dienstleistern über das Internet zur Verfügung gestellt, aus Datenzentren heraus, die praktisch überall sein können. Vielleicht ist es der Begriff, der vielen Verantwortlichen Unbehagen bereitet. Sind die Unternehmensdaten in der Cloud sicher oder „vom Winde verweht“?

Cloud Computing oder On Premise?

Die Leistungen von Cloud-Computing Anbietern sind im Hinblick auf Speicherkapazitäten, Performance und Sicherheit in der Regel kostengünstiger als die Vorhaltung eigener entsprechender Hardware nebst dazugehörigem Fachpersonal. Und genau hier liegt auch ein großer Vorteil für KMUs, sich keine kostspieligen Serverräume und IT-Spezialisten leisten zu müssen. Insbesondere die Fähigkeit zur Analyse großer Datenmengen (Big Data) in hoher Geschwindigkeit ist von lokaler IT-Kompetenz oftmals nicht zu vertretbaren Betriebskosten zu bewerkstelligen. Zudem wird Software zunehmend als Dienstleitung aus der Cloud heraus (Software-as-a-Service, abgekürzt „SaaS“) genutzt. Mitunter teure Programme müssen also nicht zwingend erworben und installiert werden. Sollen mehrere Standorte miteinander vernetzt und mit identischer Software versorgt werden, ist Cloud Computing gegenüber On-Premise ebenfalls im Vorteil. Gleiches gilt für die Bereitstellung von Betriebsinformationen auf mobilen Geräten. Viele solcher Anwendungen sind bereits von MICA.network Partnern verfügbar.

 

Big Data in der Industrie: Die Nadel im Heuhaufen finden

Das Bild zeigt in einem Dashboard zwei Graphen von Klimadaten (Temperatur, Luftfeuchte) über die Zeit.
Umgebungsdaten (im Bild Klimadaten) mit Auftrags- und Maschinendaten zusammenbringen

Ein typisches Cloud Computing Szenario in produzierenden Unternehmen ist die kontextbasierte Informationsdarstellung: Mitarbeiter aus der Produktion oder dem Service erhalten gezielt jene Informationen, die aktuell benötigt werden – automatisiert und idealerweise auf mobilen Endgeräten (Tablet, Smartphone, Smartwatch). Hierfür müssen die erforderlichen Informationen gleichermaßen aus Echtzeit- und historischen Daten zusammengestellt und analysiert werden. Echtzeitdaten werden unter anderem mithilfe vorhandener oder neu installierter Sensoren ermittelt. Beispielsweise erfassen Temperatursensoren die Umgebungsbedingungen von Maschinen. Unter Einbezug der historischen Daten führen Cloud-Dienste anschließend eigenständig Analysen durch und ziehen dadurch Rückschlüsse auf mögliche, zukünftige Ereignisse wie Störungen oder Risiken – im Bezug auf Maschinentemperaturen. Dadurch kann Maschinenverschleiß bereits frühzeitig anhand des abweichenden Temperaturen erkannt werden. Diese zusätzlichen Informationen werden über Benachrichtigungen oder Dashboards eindeutig und frühzeitig kommuniziert um Reparaturen oder Austausch einzuplanen. Dadurch werden Produktionsausfälle sowie Verzögerungen vermieden, sodass diese erheblichen Kosten- und Risikostellen nicht länger unerwartet auftreten können.

 

IoT Gateways: Daten vom Sensor in die Cloud

Condition Monitoring System
Condition Monitoring System

Geräte in der Automatisierungs-Pyramide, angefangen bei autarken Sensoren und Steuerungen, sind in der Regel nicht dafür ausgelegt, Daten in die Cloud zur übertragen. Dafür werden so genannte IoT Gateways eingesetzt. Sehr gut geeignet für diese Aufgabe sind kleine Industrie-PCs wie die MICA von HARTING, die im Hinblick auf Leistung, Konnektivität und Return-on-Investment (ROI) für diese spezielle Aufgabe ausgelegt sind. MICA als IoT Gateway sammelt Sensordaten oder greift die Daten zum Beispiel aus der SPS ab, wandelt diese ggf. in ein interpretierbares Datenformat wie OPC-UA um und übermittelt mittels eines installierten Cloud Connectors die Daten in die „Wolke“. Durch die Container-Architektur der MICA können dabei Connectoren verschiedenster Cloud-Anbieter wie Apps problemlos installiert werden. Bereits realisiert oder zertifiziert sind Anwendungen mit bekannten Cloud-Anbietern Dimension Data, IBM Bluemix, Microsoft Azure und SAP Hana.

 

Datensicherheit bei Cloud Computing

Vielen Firmen liegt verständlicherweise das Thema Datensicherheit sehr am Herzen. Gemeint ist sowohl der Schutz vor fremden Zugriffen (Hacker) als auch die unbefugte Verwendung der Daten durch den Infrastrukturbetreiber. Dafür bieten sich VPN (Virtuelles Privates Netzwerk) Verbindungen zwischen den IoT Gateways und der Cloud oder sogar der Endanwendung an.  Diese müssen jedoch einfach bedienbar und mit standardisierter Hardware und üblichen Kommunikationswegen betreibbar sein.

Ein weiterer Aspekt ist die garantierte Datensicherheit beim Cloud-Service. Die Befürchtung ist, ob ein internationaler Anbieter, der sich in einem Land befindet, das weniger strenge Anforderungen an den Datenschutz richtet, dieses große Bedürfnis deutscher Unternehmen bedienen kann. Unternehmer müssen jedoch trotz umfassendem Datenschutz keinen Nachteil gegenüber Konkurrenten befürchten. Die Lösungen und Beispiele für effektives Cloud-Computing aus Deutschland können sich im internationalen Vergleich problemlos gegen Konkurrenzprodukte behaupten. Internationale Anbieter wie Microsoft haben ebenfalls darauf reagiert und bieten mittlerweile Cloud Server auf deutschem oder europäischem Boden und berücksichtigen entsprechende Datenschutzbestimmungen.

Eine gutes Basiswissen zum Thema Cloud Security bietet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (www.bsi.bund.de). In dem Dossier „Anwender Professionals“ finden sich viele Hinweise zu Themen wie Sicherheitsprofile, Notfallmanagement, Zertifizierungen und Service-Level-Agreement. 

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